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Frankfurter Allgemeine

Published on giovedì 25 agosto 2011
Frankreich
Gott kennt die Seinen, aber keine Gnade
25. August 2011
Das Minervois im äußersten Südwesten Frankreichs ist ein Landstrich von fast gewalttätiger Schönheit. Früher lebten hier Ketzer. Heute sind es vor allem Winzer, die den reinen Glauben der Qualität predigen.
Von Klaus Simon

Die Reben stehen adrett in Reih und Glied, stramm spannen sich die Drähte zwischen den Weinstöcken, üppig blühen die Rosen am Rand des Weinbergs. Es ist eine Pracht. „Ici commence le vignoble du Château d’Agel“ tönt die hoheitsvoll in die Straßenböschung gerammte Werbetafel. Martine Ecal-Besse und Jean-Marie Besse erwarten uns in Begleitung zweier schläfriger Labradore im Innenhof des Schlosses, das mit dem renommierten Weingut nur noch den Namen gemein hat. Schon vor dreißig Jahren wurden die Weinberge inklusive des prestigeträchtigen Namens an eine Investorengruppe verkauft. Den Schlossherren bleibt nur ein Hektar zu Füßen ihres zwischen Trutzburg und Renaissancevilla changierenden Gemäuers, und ein Park, in dem die mehr als hundertjährigen Buchsbäume zu Karo, Kreuz, Pik und Herz gestutzt sind.

Wein macht glücklich: Martine Ecal-Besse, Jean-Marie Besse und Jean-Claude Bernabeu vom Château d´Agel sind der beste Beweis dafür. Gepflegter Lottercharme des Ancien Régime Mit den Neubesitzern und mehr noch mit Jean-Claude Bernabeu, der die vierzig Hektar Reben der Domaine Château d’Agel bearbeitet, verbindet die Martine Ecal-Besse und Jean-Marie Besse freilich eine Entente cordiale. Wenn der schnauzbärtige Ex-Rugby-Spieler und Winzer zur Probe einlädt, tut er dies am liebsten im imposanten Gewölbekeller des Schlosses. Praktischerweise können die Gäste direkt zwei Etagen höher schlafen. Das Château d’Agel vermietet ein halbes Dutzend Chambres d’hôte mit fast fünf Meter hohen Decken und dem gepflegten Lottercharme des Ancien Régime. Gemeinsam werden önologische Wochenenden offeriert, zu denen auf Wunsch ein Kochkursus in der Schlossküche gebucht werden kann. Wenn es um seine Weine geht, spricht Jean-Claude ohnehin lieber vom Château d’Agel als von der Appellation Minervois. Man versteht: Das Weingut ist dank radikaler Qualitätsausrichtung und geschickten Marketings längst zu einem eigenem Label geworden.”

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